Je deutlicher wir unsere Gestaltungsmacht erkennen,
desto weitreichender kann sich unsere Selbstwirksamkeit entwickeln.
Ein Kurs zum Erfahren und Erforschen von
rituellen Körperhaltungen und ekstatischer Trance
Die ältesten bekannten Trancehaltungen, ca. 30.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, kommen aus der Kultur der Jäger und Sammlerinnen. In schamanischen Kulturen ist die ekstatische Trance eine Form der Bewusstseinsveränderung, in der es möglich ist, nicht-alltägliche Wirklichkeiten zu erfahren.
Uns steht mit den rituellen Körperhaltungen ein Werkzeug zur Verfügung, das ein in sich geschlossenes Ritual aus Haltung und Rhythmus ist. Ein Ritual, mit dem wir absichtsvoll unser Bewusstsein erweitern können, um Erkenntnisse, Erfahrungen und Wissen zu entdecken, ohne an etwas glauben, einem Guru folgen oder eine Substanz zu uns nehmen zu müssen. Wie spielende Kinder, unsere westliche, rationale Prägung beiseite legend, um aus dieser kreativen Kraftquelle schöpfen zu können.
Anders als im Selbsterfahrungsseminar Trommeln, Trance, Rituale, bei dem weitere trancefördernde Methoden wie Trommelreise, Trance-Tanz, Mantra-Singen, Tönen, intuitives Schreiben und Malen, Energieübungen und Selbstheilungsübungen zum Einsatz kommen, geht es in diesem Kurs ausschließlich um das Ritual der rituellen Körperhaltungen, eingebettet in reinigende Räucherung, zentrierende Atemübung und dem Austausch im Kreis der Teilnehmenden.
Wir setzen uns mit unterschiedlichen Körperhaltungen auseinander und erforschen die Inhalte der Trance und ihre Wirkung auf uns. Bei den Themen der Haltungen geht es um Heilung, Veränderung, Seelenreise, Wahrsagen (im Sinne von: Wahrhaftiges sagen).
Je öfter wir uns in die rituellen Körperhaltungen begeben, desto einfacher wird es, den Trancezustand zuzulassen.
Voraussetzung: Teilnahme an mindestens einem Selbsterfahrungsseminar Innere Reise – Trommeln, Trance, Rituale. Interesse an persönlicher Entwicklung und ein offener Geist.
Der Kurs geht über drei Termine: 24. April, 15. Mai, 05. Juni 2026. Anmeldeschluss: 17.04.
Zeit: jeweils von 18.00 bis 20.30 Uhr
Kosten: 120 €
Veranstaltungsort: Maria-Theresia-Allee 15, 52064 Aachen
Anmeldung per Email an: info@trommeln-in-aachen.de
Leitung: Ruth Schmithüsen, Percussionistin
Rituelle Körperhaltungen
Leicht veränderte Auszüge aus dem Buch „Trance, der uralte Weg zum religiösen Erleben. Rituelle Körperhaltungen und ekstatische Erlebnisse“ von Felicitas Goodman
[religiös lat. religio – Rückbindung]
Es handelt sich hierbei um die Wiederentdeckung eines fast völlig verschütteten Kulturgutes, nämlich des Geheimnisses bestimmter ritueller Körperhaltungen, die seit Jahrtausenden in der sogenannten primitiven Kunst dargestellt wurden, deren Deutung der modernen Forschung aber unbekannt war.
Nimmt man also eine derartige Körperhaltung ein und fügt eine rhythmische Anregung mit einer Rassel oder Trommel hinzu, dann verändert sich der Bewusstseinszustand in bemerkenswerter Weise: Es tritt eine Trance ein und das ursprüngliche Ritual ersteht zu neuem Leben, womit dann auch der Kontakt mit der anderen Wirklichkeit erlebnismäßig wieder hergestellt wird.
Wie die Forschung zeigt, hat der Mensch die angeborene Fähigkeit, seine Bewusstseinslagen laufend zu verändern. Man denke nur daran, wie leicht es einem fällt, aus dem gewöhnlichen Zustand des aufmerksamen Lauschens in ein Dösen oder sogar in den Schlaf hinüber zu wechseln.
Nimmt man den üblichen Wachzustand als die Grundform, so kann man das Dösen oder den Schlaf als veränderte Bewusstseinszustände betrachten. Außer diesen beiden allgemein bekannten gibt es eine ganze Reihe anderer Zustände, allerdings nicht als Schlaf, sondern als wach erlebte, veränderte Bewusstseinslagen. Zu diesen willentlich erzeugten Bewusstseinszuständen gehören außer den meditativen vor allen der ekstatische Bewusstseinszustand.
Veränderte Bewusstseinszustände sind dem Menschen sicher seit Anbeginn seiner kulturellen Entwicklung bekannt, denn schon bei der allerältesten Kulturstufe der Jäger sind sie ein wichtiger Bestandteil eines jeden ekstatischen Rituals.
Beim Erlebnis eines veränderten Bewusstseinszustandes sind physische und psychologische Vorgänge eng miteinander verbunden. Die physischen Vorgänge können sich ausdrücken in gerötetem Gesicht, versteifte Muskeln, Zittern der Hände und/oder des ganzen Körpers.
Es entstehen eindrucksvolle Thetawellen, die im Gehirn bei Erlebnisleere auftreten, z.B. beim Einschlafen, wo also nichts erlebt wird, während sie bei der ekstatischen Trance von eindrucksvollen Visionen begleitet werden können.
Die Hirnstromvorgänge steigen an. Der Gehalt an Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol im Blutserum verringert sich, wobei der Blutdruck absackt, sich der Puls jedoch gleichzeitig erhöht.
Im medizinischen Sinne würde man beim Auftauchen der Thetawellen im Gehirn, des Absackens des Blutdruckes und der gleichzeitigen Erhöhung des Pulses von einem „paradoxen Erregungszustand“ sprechen.
Zusätzlich beginnt das Gehirn Beta-Endorphin auszuschütten. Dieses Opiat ist schon lange bekannt, es ist die schmerzstillende Substanz, die der Körper selber hervorbringt. Es kann aber auch überwältigende Gefühle der Freude, eine Euphorie erzeugen, jene „Süße“ ekstatischer Erlebnisse, von der die Mystiker immer wieder berichten.
Alles in allem ergibt sich das Bild eines umwälzenden körperlichen Geschehens, das bei dem ekstatischen Erlebnis die biologische Grundlage darstellt und das mit dem visionären Erleben korreliert.
Wenn man bedenkt, was für verwickelte körperliche Vorgänge das ekstatische Erlebnis begleiten, dann ist es umso erstaunlicher, dass dieser veränderte Wachbewusstseinszustand mit verhältnismäßig einfachen Mitteln hervorgerufen werden kann. Der Grund liegt darin, dass bei der Induktion eine in der Erbanlage verankerte Fähigkeit angesprochen wird, die uns genauso angeboren ist wie etwa die Fähigkeit zum Schlafen.
Die in der Kunst versunkener Kulturen bewahrten außerordentlich abwechslungsreichen Körperhaltungen sind in sich geschlossene, vollständige Rituale. Unter Hinzufügung von rhythmischer Anregung erstehen sie zu neuem Leben, ohne die Notwendigkeit, die dazugehörige meist unbekannte Kultur zu übernehmen.
Biologische Aspekte der ekstatischen Trance
Quelle: Karin & Kurt Richter, Curare 28/2005 Seite 45
In der ekstatischen Trance senkt sich der Blutdruck, der Puls erhöht sich. Beta-Endorphine werden ausgeschüttet, die das Schmerzempfinden senken und Glücksgefühle auslösen. Gleichzeitig werden Stresshormone, wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortison abgebaut. Hört der Rhythmus auf, stoppt zwar die Ausschüttung aber die produzierten Stoffe zirkulieren noch eine Weile im Blut.
Spezifisches Erkennungszeichen ekstatischer Trance ist der Zustand einer sehr entspannten gleichzeitig aber hyperwachen Wahrnehmungsbereitschaft. Giselher Guttmann (1990) nennt dieses Phänomen „entspannte Hochspannung“ („paradoxial arousal“). Er maß die Gehirnelektrizität mit einem besonderen EEG-Gerät, in dem die Werte des sogenannten DC-Potential, eine Art Gleichspannungspotenzial, festgestellt werden. Dieses gibt Auskunft über die Erregbarkeit und Wachheit bestimmter Großhirnrindenzonen.
Im Normalzustand werden ca. 60 Mikrovolt gemessen, beim Lernen oder bei konzentrierter Aufmerksamkeit erhöht sich der Wert auf 250. In der ekstatischen Trance erhöht sich dieser Wert auf 2000! Mikrovolt. Vergleichende Messungen in Meditations- und Hypnosezuständen zeigten dagegen keine auffälligen Veränderungen in Bezug auf den normalen Mikrovoltbereich. Guttmann entdeckte auch, dass jede muskuläre Anspannung während der eingenommen Körperhaltung zu einer Erhöhung des DC-Potentials führt und jede muskuläre Lockerung dieses wieder senkt. Daraus kann man schließen, das die Skelettmukelspannung und ihre Änderung wie ein Steuerungssystem des Bewusstseins in Bezug auf das Erleben in der Trance wirken. Im Kontrast dazu stehen parallel auftretende langsame Theta- und Delta-Wellen, wie wir sie sonst nur im Tiefschlaf haben. Diese Paradoxie wurde in den Untersuchungen von Fachner & Rittner (2004) bestätigt, als sie die ekstatische Trance mit Hilfe eines 28-Kanal EEG Brainmappers maßen. Sie stellten als charakteristisch für diesen speziellen Trancezustand einen auffälligen Anstieg im Beta-Wellenbereich mit gleichzeitiger Zunahme von Theta- und Deltawellen fest.
Beta-Wellen (16-30 Herz) sind ein Zeichen für gesteigerte Wachheit, die Delta-Wellen (1-3 Hertz) zeigen einen extrem tiefen Entspannungszustand und die Theta-Wellen (3-8 Hertz) sind ein Zeichen für bildhaftes Erleben.
Phänomenologische Aspekte
Quelle: Karin & Kurt Richter, Curare 28/2005 Seite 45/46
Erfahren wird eine andere Wirklichkeit, bestehend aus körperlichen und gefühlsmäßigen Veränderungen und Visionen. Bei den Visionen erlebt man die Kosmologie der Jäger- und Sammlerzeit. Man erfährt Einssein mit der Natur, reist durch das Unbewusste, die Archetypen, weiter bis in das Reich der Grundbausteine des Lebens, sieht z.B geometrische Muster und ihre Vernetzungen (Narby 2001). Über die drei Ebenen der Unter-, Mittel- und Oberwelt (Begriffe aus dem schamanischen Weltbild) trifft man die entsprechenden geistigen Bewohner z.B. Tiergeister, Ahnen, Schutzhelfer und Seelenführer. Man hört Stimmen, Klänge und Chöre, fällt oder fliegt. Man hat Erlebnisse der Körperänderung, Verwandlung oder totalen Auflösung. Man erfährt „alles ist lebendig und ich bin ein Teil davon“. Diese oft als beglückend erfahrenen Tranceerlebnisse werden häufig als religiöse (lat. religio – Rückbindung, Anm. R.S.) Erfahrungen empfunden. Neben diesem spirituellen Aspekt gibt das Tranceerleben auch Anstöße zur autonomen Regulierung der physischen und psychischen Gesundheit bzw. Heilung.
Was bewirken die Körperhaltungen? (…) Jedes Mal wenn man eine rituelle Haltung einnimmt, die entsprechenden Muskeln anspannt und in die ekstatische Trance geht, hat man andere Erlebnisse. (…) Erfahrene Trance-Reisende können zusätzlich zu den jeweils neuen Erlebnissen gewisse Erfahrungsschwerpunkte einzelnen Körperhaltungen zuordnen. So gibt es Haltungen zu folgenden Schwerpunkten: Energetisierung, Schutz, Gelassenheit, Loslassen, Erneuerung, Verstärkung der körperlichen Heilprozesse. Bei anderen Haltungen kommt man leichter in Verbindung zu den Ahnen. (…) Man man reist gezielt in die Unter- oder Oberwelt zu den entsprechenden geistigen Kräften. Wieder andere Haltungen fokussieren auf die eigene Kraft und Wandlung, auf Erdung, Verwurzelung oder Sinnlichkeit und Leichtigkeit. Man weiß wenig darüber, wie die rituellen Körperhaltungen in den damaligen Kulturen eingesetzt wurden. Aber die anthropologische Erforschung der dazugehörigen Gesellschaft lässt in einzelnen Fällen eine Idee von ihrem Einsatzbereich zu. Daraus kann man manchmal auch auf ihre Wirkungsmöglichkeiten schließen.
Jenseits biologischer Aspekte
aus: Nana Nauwald, Tattwa Viveka Extra 2011
(…) «Wie hilfreich es auch ist, den nervlichen und biochemischen Vorgang im Körper während des Erlebens der Trance durch Blutuntersuchungen und Gehirnwellenmessungen oder andere Verfahren aufzuzeigen und verständlich zu machen – es erklärt nichts von der Dimension dieser Erfahrung selbst.
(…) Die Veränderung der Gehirnschwingungen bewirkt lediglich, dass bestimmte Filter unseres Alltagsbewusstseins für kurze Zeit ausgeschaltet sind – die Startrampe für den Flug durch die Welten des Bewusstseins ist bereitgestellt!
(…) Ob wir diese Energien als Klang, als Farbe, Wort oder Bild in der Trance erleben, macht einen Unterschied nur in der Wahrnehmungsform, nicht in der Qualität der Information.
Visionäres Erleben während des Aufenthaltes in den nicht-alltäglichen Wirklichkeiten ist nicht an bildhaftes Erleben gebunden. Visionäres Erleben kann mit jedem unserer Sinne stattfinden. Der Zugang zum Feld der Informationen, zum Wissen, geschieht für jede/n in Anknüpfung an den Punkt, auf dem sie/er gerade im Bewusstseinsfeld steht.“
Buchempfehlungen und Links:
Felicitas Goodman
~ Trance, der uralte Weg zum religiösen Erleben
~ Wo die Geister auf den Winden reiten. Trancereisen und ekstatische Erlebnisse
~ Meine letzten 40 Tage: Eine schamanische Visionsreise
~ Die andere Wirklichkeit – über das Religiöse in den Kulturen der Welt
Nana Nauwald
~ Ekstatische Trance
~ Bärenkraft und Jaguarmedizin
https://www.tattva.de/kreativitat-und-trance/
Weitere Innere Reise Seminare:
CongaPercussionSchule seit 2004
© Ruth Schmithüsen 2026
